Akt 1: TSG Urbach/Dernbach - TTC Olympia Koblenz II
Relegation? Eher Demonstration.
Mit einer Mischung aus spielerischer Klasse, völliger Eskalation an der Platte und der Gelassenheit von vier Leuten, die vermutlich schon beim Warmmachen wussten, dass das heute durchgezogen wird, hat sich unsere Truppe aus Nabitz, Grauberger, Wulframm und Briesch den Aufstieg in die Bezirksliga gesichert.
Der erste Gegner hatte sich sicherlich mehr erhofft. Vielleicht ein kleines Wunder. Vielleicht wenigstens ein bisschen Spannung. Bekommen haben sie allerdings erstmal eine Lehrstunde im Doppel.
Grauberger/Wulframm eröffneten den Abend mit einem derart humorlosen 3:0 gegen Kulpe/Frauzem (11:0 wäre vermutlich auch drin gewesen, man wollte aber fair bleiben). 11:0, 11:5, 11:3 — das war weniger Tischtennis und mehr ein öffentliches Statement: „Wir sind heute nicht zum Diskutieren hier.“
Im zweiten Doppel machten Nabitz/Briesch es spannender. Warum einfach, wenn man auch fünf Sätze spielen kann? Nach großem Kampf und dramatischem Finale ging das Ding zwar knapp verloren, aber immerhin konnte der Gastgeber kurz glauben, dass hier vielleicht doch noch etwas möglich sei. Ein klassischer Fehler.
In den Einzeln begann dann endgültig der Relegationswahnsinn. Grauberger lieferte sich gegen Bohr ein Fünfsatz-Match, das vermutlich mehrere Herzschrittmacher an ihre Grenzen brachte. Leider knapp verloren — allerdings nur, damit Nabitz direkt danach Fettelschoß in fünf Sätzen wieder einfängt. Ausgleich. Ordnung wiederhergestellt.
Dann kam Briesch. Der Mann spielte, als hätte er privat noch Rechnungen offen. 3:1 gegen Kulpe, völlig abgeklärt. Kurz darauf zog Wulframm gegen Frauzem nach — und zwar in einer Geschwindigkeit, bei der man fast vermuten konnte, dass er noch einen wichtigen Termin hatte. 11:4, 11:5, 11:9. Feierabend.
Ab diesem Zeitpunkt war die Heimmannschaft sichtbar angeknackst. Nabitz nutzte das gnadenlos aus und schickte Bohr mit einem klaren 3:0 vom Tisch. Parallel dazu entschied sich Grauberger offenbar, den Spannungsbogen für die Zuschauer noch etwas künstlich hochzuhalten und verlor erneut im fünften Satz gegen Fettelschoß. Sportsgeist oder Sadismus — schwer zu sagen.
Doch spätestens jetzt war klar: Das Ding lassen wir uns nicht mehr nehmen.
Wulframm machte anschließend kurzen Prozess mit Kulpe. Drei Sätze, keine Diskussionen, vermutlich nicht mal genug Zeit für ein isotonisches Getränk zwischen den Ballwechseln. Und als Briesch schließlich mit seinem zweiten Einzelsieg den 7:3-Endstand eintütete, war der erste Schritt in Richtung Bezirksliga offiziell getan.
27:13 Sätze. 385:306 Bälle. 7:3 Spiele.
Und irgendwo sitzt vermutlich noch jemand aus der Kreisoberliga und fragt sich, wie das eigentlich so schnell passieren konnte.
Die Antwort:
Nabitz. Grauberger. Wulframm. Briesch.
Akt 2: TTC Olympia Koblenz II - SG Sinzig/Ehlingen IV
Oder auch: Wie man eine Relegation mit der Eleganz eines Vorschlaghammers beendet.
Nach dem ersten Ausrufezeichen war klar: Jetzt fehlt nur noch der letzte Schritt Richtung Bezirksliga. Und unsere vier Protagonisten Nabitz, Grauberger, Wulframm und Briesch hatten offensichtlich keinerlei Interesse daran, daraus unnötig ein Drama zu machen.
Zumindest größtenteils.
Denn direkt im ersten Doppel machten Grauberger/Wulframm klar, dass Gastfreundschaft an diesem Abend absolut überbewertet wird. 3:0 gegen Jakobi/de Hesselle, dabei konstant souverän und mit genau der Aura von Leuten, die schon vor dem ersten Aufschlag wussten, wie der Abend endet.
Das zweite Doppel von Nabitz/Briesch lief dagegen eher unter der Kategorie „Charity-Veranstaltung“. Drei knappe Sätze, leider alle an Schumacher/Möhren. Man wollte den Gastgebern vermutlich nicht direkt jede Hoffnung nehmen. Fairer Zug.
Danach begann allerdings die bekannte Aufstiegsmischung aus Wahnsinn, Nervenstärke und völliger Eskalation in engen Sätzen.
Nabitz eröffnete die Einzel mit einem klassischen Fünfsatz-Krimi gegen Jakobi. Zwischenzeitlich sah es kurz so aus, als wolle er den Spannungsbogen künstlich verlängern, ehe er sich im fünften Satz erinnerte, dass man ja eigentlich noch aufsteigen wollte. 3:2, Führung zurückgeholt.
Parallel dazu spielte Grauberger gegen Schumacher offenbar Tischtennis und Überlebenskampf gleichzeitig. 10:12, 14:12, 13:11 — irgendwo wurden an diesem Abend mehrere Zuschauer spontan älter. Aber genau solche Spiele gewinnt man eben nur, wenn man dieses „Heute steigen wir auf“-Gefühl im Blut hat.
Wulframm gönnte de Hesselle anschließend noch einen Punkt. Vermutlich aus Höflichkeit. Anders lässt sich das kaum erklären.
Zum Glück hatte Briesch keinerlei Interesse an Nettigkeiten. Mit einem souveränen 3:1 gegen Möhren stellte er auf 4:2 und brachte die Halle endgültig in den Zustand zwischen Nervenzusammenbruch und Resignation.
Dann kam die Phase, in der einfach alles funktionierte.
Nabitz spielte Schumacher in drei Sätzen derart kontrolliert auseinander, dass man fast dachte, er hätte noch einen Termin beim Feiern. Grauberger setzte direkt nach und erledigte Jakobi mit drei Mal 11:9 — die vielleicht brutalste Art zu sagen: „Du bist nah dran, aber eben nicht nah genug.“
Und weil eine Relegation natürlich nicht ohne kompletten Nervenzusammenbruch enden darf, entschied sich Wulframm gegen Möhren noch für ein episches 0:2-Comeback. Nach zwei verlorenen Sätzen drehte er plötzlich auf, spielte sich in einen völligen Tunnel und gewann das Ding noch 3:2. Spätestens da war der Widerstand endgültig gebrochen.
Den Schlusspunkt setzte natürlich Briesch.
Und zwar standesgemäß:
3:0.
Keine Diskussion.
Einfach konsequent durchgezogen.
8:2.
25:13 Sätze.
385:338 Bälle.
Bezirksliga.
Und während Sinzig vermutlich noch überlegt, an welchem Punkt ihnen das Spiel entglitten ist, können wir die Antwort ziemlich einfach liefern:
Ab dem ersten Ballwechsel.
Aufstieg geschafft.
Und irgendwo müssen sich jetzt Mannschaften in der Bezirksliga auf vier Typen vorbereiten, die offensichtlich beschlossen haben, dass Verlieren einfach keine attraktive Option ist.